Warum Terminal? Klick doch einfach!
Klar kannst du auf einem Desktop alles mit Maus und Fenstern bedienen. Aber: Server haben keinen Desktop. Wenn du dich per SSH auf einen Webserver schaltest, hast du eine Textzeile und sonst nichts. Das Terminal ist außerdem oft schneller — was im Datei-Manager 10 Klicks braucht, ist in der Shell ein Befehl.
Die gute Nachricht: Du brauchst nicht 200 Befehle, um dich durchzuschlagen. Mit den unteren 15 kommst du durch die meisten Alltagssituationen.
Cheatsheet — die Top 15
| Befehl | Was er tut | Beispiel |
|---|---|---|
| pwd | Wo bin ich gerade? | pwd |
| ls | Was liegt im Verzeichnis? | ls -lah |
| cd | Verzeichnis wechseln | cd /var/log |
| cp | Datei/Ordner kopieren | cp datei.txt backup/ |
| mv | Verschieben oder umbenennen | mv alt.txt neu.txt |
| rm | Datei löschen | rm alt.txt |
| mkdir | Ordner anlegen | mkdir projekt |
| cat | Datei-Inhalt ausgeben | cat /etc/hosts |
| less | Lange Datei seitenweise anzeigen (q zum Beenden) | less syslog |
| tail | Letzte Zeilen einer Datei | tail -f /var/log/nginx/access.log |
| grep | In Dateien suchen | grep -i error syslog |
| chmod | Zugriffsrechte ändern | chmod 755 script.sh |
| chown | Besitzer ändern | chown user:user datei |
| sudo | Befehl als root ausführen | sudo apt update |
| man | Handbuch zu einem Befehl | man grep |
ls -lah ist dein neuer bester Freund
l = Long-Format (Berechtigungen + Größe + Datum), a = All (auch versteckte Dateien mit Punkt), h = Human-readable Größen (KB/MB statt Bytes). Einmal eingeprägt — wirst du fünfmal am Tag tippen.
Pipes und Redirects — der Multiplikator
Das echte Power-Feature der Shell: Befehle verketten. Der Pipe-Operator | nimmt die Ausgabe des einen Befehls und gibt sie als Eingabe in den nächsten.
# Alle Fehler im Apache-Log finden
cat /var/log/apache2/error.log | grep -i "error"
# Wie viele Zeilen davon?
cat /var/log/apache2/error.log | grep -i "error" | wc -l
# Top-5 IPs im Access-Log
cat access.log | awk '{print $1}' | sort | uniq -c | sort -rn | head -5Pipes vs. Redirects
|Pipe — Ausgabe des einen wird Eingabe des nächsten>Redirect — Ausgabe in eine Datei schreiben (überschreibt)>>Append — Ausgabe an Datei anhängen2>Fehler-Ausgabe (stderr) umleiten&>Beides (stdout + stderr) umleiten
Datei-Berechtigungen — das chmod-System
Jede Datei hat 9 Berechtigungs-Bits: read / write / execute für jeweils Owner / Group / Others. In ls -l siehst du das als -rwxr-xr-x.
Statt Buchstaben kannst du Oktal-Zahlen benutzen: r=4, w=2, x=1. Eine Stelle pro Gruppe addiert. Beispiele:
chmod 755 script.sh— Owner darf alles, Group + Others nur lesen+ausführen (Standard für Scripts)chmod 644 datei.txt— Owner liest + schreibt, alle anderen nur lesen (Standard für Daten)chmod 600 secret.key— nur der Owner darf lesen + schreiben (sensible Daten)chmod 700 mein-ordner/— nur der Owner kommt rein
rm -rf — der Karrierebeender
rm -rf / löscht ab dem Wurzelverzeichnis alles weg, was er kriegen kann. Klassischer Anfänger-Fehler. Auch rm -rf $VAR/ ist gefährlich: Wenn $VAR leer ist, wird daraus rm -rf /. Immer doppelt prüfen, was hinter rm -rf kommt.
Pakete verwalten
Auf Debian/Ubuntu (apt):
sudo apt update # Paket-Listen aktualisieren
sudo apt upgrade # Installierte Pakete updaten
sudo apt install nginx # Paket installieren
sudo apt remove nginx # Paket deinstallieren
apt search docker # Nach Paket suchenAuf RHEL/CentOS/Fedora ist es dnf (oder älter yum) statt apt — gleiche Idee.
Was du dir mitnehmen solltest
- Mit ls, cd, cp, mv, rm, mkdir, cat, grep, chmod, sudo, man kommst du durch 90% aller Aufgaben.
ls -lahist der Allzweck-Befehl, um zu sehen "was ist da, wem gehört's, wie groß".- Pipes (
|) verketten Befehle — der echte Power-Multiplikator der Shell. - chmod-Zahlen: 7=rwx, 5=r-x, 4=r-- — oft 755 für Scripts, 644 für Daten.
rm -rfist endgültig. Kein Papierkorb. Doppelt hinschauen.
